Gemeinde Schwalmtal

Musikalisch-literarische Wanderung auf der Schwalm-Musel-Tour der SchwalmTALwanderwege

… am Sonntag 14. September 2025


Die Wandergruppe unterwegs

Der Wettergott meinte es gut mit dem Veranstalter, hatten doch die Prognosen sehr verunsichert. Pünktlich um 10:00 Uhr beim Start auf dem Dorfplatz in Hopfgarten schien die Sonne! So startete die Gruppe von 30 Wanderbegeisterten gut gelaunt auf die 11 km lange Route, geführt von Jürgen Worm und Eva Vornberger. Und alle waren gespannt auf die angekündigten Einlagen an besonderen Stellen der Tour.

Am ersten Halt der Schutzhütte am Schwalmberg wurden sie bereits mit leisen Cembaloklängen von Anka Hirsch und den entsprechend kostümierten Künstlern Kathrin Desch und Arnd Geerts vom Theaterensemble des Melchiorsgrund empfangen. Wilhelm Busch’s Gedicht vom falschen Müller, auch schauspielerisch gut vorgetragen, passte hervorragend zu der tragischen Geschichte vom Mai 1717 aus den Kirchenbüchern über den gewaltsamen Tod einer jungen Frau aus Unter-Sorg. Abgerundet wurde es durch ein Lied von Anka Hirsch nach einem Text von Francois Villon, das die schwierige Situation von Frauen nicht nur in früheren Zeiten thematisiert.

Der nächste Stopp am restaurierten Brunnen des Kählsborn brachte auch für die Schwalmtaler neue Erkenntnisse über die Pilgerrouten, die früher von der Amöneburg zum Grab des Bonifatius in Fulda direkt durch unsere Gemeinde führten, befanden wir uns doch hier auf einem der historisch verbürgten Altwege. Besonderes Interesse fanden auch die vielen verschiedenen Vogelkästen, die als Anschauung an den Bäumen verteilt aufgehängt worden sind.

Ein Muss aufgrund der besonderen Atmosphäre auf der Schwalm-Musel-Tour ist das Grenzsteinlapidarium in Hergersdorf, auch weil es im Vogelsberg wohl einzigartig ist. Jürgen Worm unterstrich die große Bedeutung von Grenzsteinen in früheren Zeiten, wobei das Versetzen dieser Steine streng bestraft wurde und sich auch viele Sagen um Grenzsteinfrevel rankten. Eine davon spielt vor der Geisselbach bei Wallenrod und wurde im Rahmen der Vorbereitung für diese Tour als Podcast aufgenommen. Anka Hirsch entführte die Gruppe dann wieder mit Eigenkompositionen am Cello in eine nachdenkliche Gesamtstimmung.

Am Dorfbrunnen in Hergersdorf lauschte die Gruppe dann dem Gedicht des früheren Bürgermeisters von Hergersdorf, Jeremias Kirschbaum, vorgetragen von Arnd Geerts als Wanderer. Der Brunnen existiert noch, nicht mehr ganz an der Originalstelle.

An dem wildromantischen Muselufer war dann die nächste Präsentation vor der Ruine der alten Schlagmühle, hervorgegangen aus einer Waldschmiede. Das Gewölbe oberhalb zeugt noch von einer zusätzlichen Sägemühle. Jürgen Worm erläuterte die Funktion einer Schlagmühle und die Bedeutung von Mühlen generell in früheren Zeiten, wobei es in Schwalmtal wohl einst 17 davon gab. Hierzu passte hervorragend das Gedicht von Ludwig Uhland aus 1832 „der Wanderer in der Sägemühle“ wieder vorgetragen von Arnd Geerts als Wanderer und Kathrin Desch als Fichte, begleitet mit einer Sonsodrum-Zungentrommel durch Anka Hirsch, ein Instrument, das hervorragend das Plätschern des Baches unterstrich.

Unter der 650 Jahre alten Stieleiche von Hopfgarten erwartete dann bereits Anka Hirsch die Gruppe mit ihrem Cello, hier leider aber auch ganz leichter Sprühregen, so dass die Informationen zur Eiche kurz ausfielen. Gut beschirmt konnten wir dann doch noch das Stück, ein traditionelles Klezmer-Stück, genießen und die alte knorrige Eiche bewundern.

Ein weiterer Stopp kurz danach an der Jägerhof-Mühle. Die bereits 1362 das erste Mal genannte Mühle wird ist zwar nicht mehr in Betrieb, aber liebevoll restauriert und der Mühlenbrach führte aktuell auch noch etwas Wasser. So passte das Gedicht von Wolfgang von Goethe „der Junggeselle und der Mühlenbach“ spielerisch vorgetragen von Arnd Geerts und Katrin Desch, hervorragend zu dieser Stelle.

Zum Abschluss überraschte uns dann Anka Hirsch nochmal am alten Schuleingang, heute DGH, mit einem weiteren Cellostück. Und die Gruppe genoss anschließend das Fingerfood-Buffet. Die meisten dürften ziemlichen Appetit entwickelt haben, denn unsere Ankunft nach der ca. 11 km langen Tour war dann auch erst um 14:00 Uhr. Dennoch saßen viele auch noch eine ganze Weile an den Tischen zusammen und unterhielten sich angeregt. Die Resonanz war sehr positiv, auch den Künstlern hat die doch etwas ungewöhnliche Darbietungsform sehr gut gefallen. Mal sehen, ob wir ähnliches mal auf einer anderen Strecke anbieten können.

Organisatorisch war alles perfekt vorbereitet, sowohl der Transport der Künstler und Instrumente von Ort zu Ort, als auch die Texte und Hintergrunderläuterungen, vorbereitet von Jürgen Worm, passten hervorragend zu den jeweiligen Stellen auf der Tour und der kleine Imbiss am Ende mit Austauschmöglichkeit machte das ganze rund.

Eva Vornberger


Die Künstler in Aktion: Anka Hirsch am Cello und der Sonsodrum-Zungentrommel, Kathrin Desch und Arnd Geerts als Erzähler.

Der Abschluss mit Fingerfood-Buffet und regen Gesprächen.



(Bilder: Eva Vornberger und Jessica Worm)